Claude Code in der Praxis: Erfahrungsbericht eines Entwicklers
Claude Code taucht in meinem Terminal auf wie ein sehr ruhiger Senior-Entwickler, der sich nie beschwert. Er liest sich durch hunderte Dateien, hält einen Plan im Kopf und setzt ihn um — ohne dass ich jeden Schritt diktieren muss. Das klingt nach Marketing-Text, also lass mich konkret werden: Was ist Claude Code wirklich, wie sieht mein Workflow damit aus, und warum entwickle ich mit KI-Unterstützung ungefähr dreimal so schnell — wenn ich die Qualitätssicherung nicht vergesse.
Was Claude Code ist — und was nicht
Claude Code ist kein Chat-Interface. Es ist kein Copilot-Autocompletion. Es ist ein autonomer Terminal-Agent von Anthropic, der deinen gesamten Projektordner als Kontext lesen, Dateien anlegen, bearbeiten und Bash-Befehle ausführen kann — alles in einem einzigen Auftrag.
Du startest es per claude in der Kommandozeile, gibst ein Ziel ein und der Agent beginnt zu arbeiten: Er liest relevante Dateien, erstellt einen Plan und setzt ihn Schritt für Schritt um. Du siehst jeden Schritt in Echtzeit und kannst jederzeit eingreifen oder stoppen.
Der entscheidende Unterschied zu anderen KI-Tools:
- Kein Copy-Paste-Workflow: Du beschreibst ein Ziel, nicht einen einzelnen Code-Schnipsel. Claude Code entscheidet selbst, welche Dateien es lesen und ändern muss.
- Codebase-Bewusstsein: Der Agent liest sich aktiv durch
composer.json,astro.config.mjs, bestehende Komponenten — er versteht das Projekt als Ganzes, nicht nur den Ausschnitt, den du ihm zeigst.- Planungsschritt vor Umsetzung: Vor jeder Änderung legt Claude Code einen Plan vor. Du kannst eingreifen, bevor Code geschrieben wird.
- CLAUDE.md als Projektgedächtnis: Eine Textdatei im Projektstamm gibt dem Agenten dauerhaften Kontext über Konventionen, Stack und was er nicht tun soll. Das ersetzt endlose Wiederholungen im Chat.
Was es nicht ist: Ein Autopilot, dem du blind vertraust. Dazu gleich mehr.
- CLAUDE.md als Projektgedächtnis: Eine Textdatei im Projektstamm gibt dem Agenten dauerhaften Kontext über Konventionen, Stack und was er nicht tun soll. Das ersetzt endlose Wiederholungen im Chat.
- Planungsschritt vor Umsetzung: Vor jeder Änderung legt Claude Code einen Plan vor. Du kannst eingreifen, bevor Code geschrieben wird.
Mein Workflow: Wie KI-gestützte Entwicklung im Alltag aussieht
Ich setze Claude Code täglich in Shopware- und Astro-Projekten ein. Ein typischer Ablauf sieht so aus:
1. Aufgabe formulieren statt Lösung vorgeben
Statt Schreib mir eine Funktion, die X macht sage ich: In diesem Shopware-Plugin fehlt die Behandlung von doppelten Bestellnummern beim Import. Analysiere den vorhandenen ImportService und ergänze die Duplikat-Prüfung mit einem Unique-Check gegen die Datenbank.
Der Agent liest daraufhin den ImportService, die zugehörigen Tests, die Datenbank-Entity und schlägt eine konkrete Implementierung vor — inklusive welche Dateien er ändern möchte.
2. Plan reviewen
Claude Code listet vor der Umsetzung auf, was es tun will. Dieser Schritt ist nicht optional — er ist der wichtigste Teil des Workflows. Ich prüfe:
- Greift der Agent auf die richtigen Dateien zu?
- Passt der Ansatz zur Architektur des Projekts?
- Fehlt ein Edge Case?
3. Umsetzung mit parallelen Subagenten
Bei größeren Aufgaben — etwa einem kompletten Feature über mehrere Dateien — setzt Claude Code intern parallele Schritte ein. Das passiert transparent; ich sehe welche Dateien gelesen und geschrieben werden.
4. Review und Tests
Jeder KI-generierte Code wird manuell reviewed und durch bestehende oder neue Tests abgedeckt. Hier liegt der Unterschied zwischen 3× Geschwindigkeit mit Qualität und 3× Geschwindigkeit mit technischen Schulden.
Ergebnis: Aufgaben, die ich früher in einem halben Tag erledigt hätte, schaffe ich in 1–2 Stunden — weil ich keine Zeit mit boilerplate, API-Nachschlagen oder dem initialen Grundgerüst verbringe. Die Denkarbeit, das Design der Lösung, bleibt bei mir.
- Fehlt ein Edge Case?
- Passt der Ansatz zur Architektur des Projekts?
Stärken: Wo Claude Code wirklich überzeugt
Nach mehreren Monaten intensivem Einsatz habe ich ein klares Bild, wo der Agent seinen Wert beweist:
Refactoring größerer Codebereiche
Das ist die Disziplin, in der Claude Code am stärksten ist. Eine veraltete PHP-Klasse auf Dependency Injection umstellen, einen Shopware 5 Kompatibilitätslayer entfernen, eine Astro-Komponente in kleinere Teile aufbrechen — der Agent überblickt alle Abhängigkeiten und macht die Änderung konsistent durch.
Codebase-Analyse und Debugging
Warum schlägt dieser Test fehl? — Claude Code liest den Test, die getestete Klasse, die Fixtures, die Mock-Konfiguration und gibt eine fundierte Diagnose. Kein Raten, keine Halbwahrheiten, wenn die relevanten Dateien im Kontext sind.
Dokumentation und Code-Reviews
Einen bestehenden Service erklären, fehlende PHPDoc-Blöcke ergänzen, einen Diff reviewen: Aufgaben mit hohem Leseaufwand und vergleichsweise geringem Denkaufwand erledigt der Agent schnell und verlässlich.
Boilerplate-intensive Aufgaben
Shopware-Service in services.xml registrieren, neuen Subscriber anlegen, API-Endpunkt mit korrekten Annotations aufsetzen — Muster, die ich auswendig kenne, aber trotzdem Zeit kosten. Claude Code erledigt das in Sekunden.
Grenzen: Wo ich auf Probleme gestoßen bin
Kein ehrlicher Erfahrungsbericht ohne die Schwachstellen.
Halluzinierte APIs und veraltetes Wissen
Claude Code kennt die Welt bis zu seinem Trainings-Cutoff. Bei Shopware 6.7-spezifischen APIs oder sehr neuen Paketen wird es unzuverlässig — es erfindet Methoden, die nicht existieren, oder nutzt deprecated APIs. Das Gegenmittel: Relevante Dokumentation als Kontext mitgeben (CLAUDE.md im Projektordner ist dafür ideal). Ich lege dort explizit fest, welche API-Versionen wir nutzen und verlinke auf interne Referenz-Implementierungen.
Kein YOLO-Push — bitte nie
Claude Code kann git push ausführen, wenn man es lässt. Das sollte man nicht. Kein KI-generierter Code geht ungereviewt in Produktion. Das ist keine Frage des Misstrauens, sondern professioneller Hygiene — genau wie bei menschlichem Code. In der CLAUDE.md stehen bei mir explizit: Führe niemals git commit oder git push aus ohne meine Bestätigung.
Zu große Kontextfenster werden unscharf
Bei sehr großen Projekten (> 100.000 Zeilen relevanter Code im Kontext) leidet die Präzision. Der Agent verliert manchmal den Faden bei langen Aufgaben. Lösung: Aufgaben in kleinere, klar abgegrenzte Schritte aufteilen. Lange Tasks in mehrere Sessions aufbrechen.
Kosten skalieren mit Nutzung
Claude Code verbraucht API-Credits. Bei intensivem Einsatz kommen auf einem Monat deutlich wahrnehmbare Beträge zusammen. Das ist für Projekte mit entsprechendem Stundenverrechnungssatz absolut gerechtfertigt — aber blind laufen lassen und dann überrascht sein über die Rechnung solltest du nicht.
Architekturfragen bleiben beim Menschen
Soll ich ein Event-System einführen oder direkte Service-Calls nutzen? — Claude Code kann Pros und Cons liefern, aber die Entscheidung muss der Entwickler treffen. Der Agent optimiert lokal, nicht strategisch.
Claude Code vs. Cursor vs. GitHub Copilot
Die drei Tools lösen unterschiedliche Probleme — sie ersetzen sich nicht gegenseitig.
GitHub Copilot ist Autocompletion im Editor. Es hilft beim Schreiben einzelner Funktionen und macht dich beim Tippen schneller. Kein Codebase-Verständnis, kein autonomes Handeln.
Cursor ist eine vollständige IDE mit eingebautem KI-Chat, Inline-Edits und dem Konzept der .cursorrules für projektspezifische Anweisungen. Cursor ist stärker im interaktiven Schreiben von neuem Code; der Agent-Modus ist vergleichbar mit Claude Code, aber die eigentliche Stärke liegt im Editor-Erlebnis.
Claude Code ist am stärksten bei autonomen, mehrstufigen Aufgaben auf einer bestehenden Codebase. Es denkt in Aufgaben, nicht in Zeilen. Der Terminal-First-Ansatz passt zu Entwicklern, die lieber in der Kommandozeile arbeiten.
Mein Stack: Cursor für aktives Feature-Entwickeln, Claude Code für Refactoring, Analyse und Aufgaben, bei denen der Agent mehrere Dateien gleichzeitig im Kopf behalten muss. Beide Tools zusammen, nicht als Konkurrenten.
Wie ich die ~3× Beschleunigung messe — und was sie kostet
Die Drei-mal-Geschwindigkeit ist keine Marketingzahl, aber sie ist auch nicht universal. Sie gilt für:
- Routine-Implementierungen mit bekanntem Muster
- Refactorings mit klar definiertem Ziel
- Aufgaben mit viel Boilerplate-Anteil
Sie gilt nicht für:
- Architekturentscheidungen
- Performance-Optimierungen, die Profiling erfordern
- Sicherheitskritische Implementierungen ohne gründliches Review
Die Kosten der Beschleunigung: Du musst ein besserer Reviewer werden. Je mehr Code KI schreibt, desto wichtiger ist das kritische Lesen. Ich verbringe heute weniger Zeit mit Schreiben und mehr Zeit mit Denken, Entscheiden und Reviewen — das ist eine bessere Aufteilung.
Konkrete Zahlen aus meiner Praxis:
- Shopware-Plugin-Grundgerüst aufsetzen: früher ~2h, heute ~30 min
- Service mit 5 Methoden refactorn: früher ~1h, heute ~15 min
- Bug in unbekanntem Code diagnostizieren: früher ~45 min, heute ~10–20 min
Bei einem Projekt mit Budget ab 5.000 € bedeutet das realistisch 20–30% kürzere Laufzeit bei gleicher oder höherer Codequalität.
- Bug in unbekanntem Code diagnostizieren: früher ~45 min, heute ~10–20 min
- Service mit 5 Methoden refactorn: früher ~1h, heute ~15 min
- Sicherheitskritische Implementierungen ohne gründliches Review
- Performance-Optimierungen, die Profiling erfordern
- Aufgaben mit viel Boilerplate-Anteil
Fazit: Lohnt sich Claude Code?
Ja — mit einer wichtigen Bedingung: Du musst wissen, was du tust.
Claude Code macht einen erfahrenen Entwickler schneller. Es macht einen unerfahrenen Entwickler gefährlicher — weil er schneller Code produziert, den er nicht vollständig versteht. Das Tool ist ein Multiplikator, kein Ersatz.
Für meine Arbeit mit Shopware-Projekten ist es das wirkungsvollste Einzeltool der letzten Jahre. Die Kombination aus Codebase-Verständnis, autonomem Handeln und der Möglichkeit, in natürlicher Sprache über Code zu reden, hat meinen Alltag dauerhaft verändert.
Kein Vendor-Lock-in: Claude Code läuft lokal, der Code gehört dir, und du kannst morgen auf ein anderes Tool wechseln. Das ist mir wichtig. Die Alternative Cursor bietet einen ähnlichen Funktionsumfang im Editor-Kontext — beide Tools ergänzen sich, keines erzwingt Abhängigkeit.
Meine Empfehlung für den Einstieg: Fang mit einer klar definierten, abgegrenzten Aufgabe an — etwa einem einzelnen Refactoring oder einer klar beschriebenen Funktion. Schau dir an, was der Agent plant, bevor er handelt. Reviewe das Ergebnis wie Code eines Junior-Entwicklers, dem du vertraust, aber kontrollierst. Nach fünf solcher Aufgaben wirst du ein Gefühl dafür haben, wo die Stärken liegen und wo nicht.
Nächster Schritt
Du willst schneller entwickeln — ohne Abstriche bei der Codequalität? Ich bringe den KI-gestützten Workflow direkt ins Projekt: als Entwickler, der Claude Code und Cursor täglich einsetzt und den Unterschied zwischen produktiver KI-Nutzung und technischen Schulden kennt.
→ [Vibe Coding für E-Commerce-Projekte anfragen](/lp/vibe-coding-ecommerce)
Matthias Hanske
Shopware 6 Fullstack Developer
Ich helfe E-Commerce-Unternehmen dabei, das volle Potenzial aus ihrem Shopware-Shop herauszuholen.
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